Ein Leben voller Malerei

Ein Leben voller Malerei

Naiv gemalter Kinderglauben, Naturalismus, reaktionärer Traditionalismus oder schlicht und einfach Kitsch. Mit der Bewertung und Einordnung des Werkes der Tiroler Künstlerin Maria Spötl haben sich schon Zeitgenossen mitunter schwer getan. Das hat sich bis heute nicht gewandelt - und ändert nichts an der Tatsache, dass die Malereien der Maria Spötl einst weltweit tausendfache Verbreitung gefunden haben. Und selbst im Internet-Zeitalter lassen sich mit einem Knopfdruck binnen Sekunden „Spötl-Bilder“ auf den Bildschirm rufen. Kunstdebatte damit beendet, denn diese geht letztlich auch am Sinn und der Absicht dieser Website vorbei.

„Ich habe noch mein altes Schächtelchen mit meiner verstauten Bildchen-Sammlung“, meldete sich jüngst eine alte Dame aus Niederösterreich. Prompt waren ihr die Erinnerungen an die Schulzeit in den 1940er-Jahren in den Sinn gekommen, nachdem sie den überraschend zugeschickten aktuellen „Spötl-Kalender“ ausgepackt hatte. Die Fleißbildchen, mit lieblichen Spötl-Motiven versehen – wer kennt sie nicht? Zumindest all jene Menschen, die bis in die 1970er-Jahre eine (Volks-)schule besucht haben. Die Bildchen mit den kleinen Engeln, der Heiligen Familie oder mit Jesus am Kreuz – sie wurden von den Religionslehrern gerne für besondere Leistungen an die Kinder verteilt.

Anfänge mit dem Schnitzmesser. Malen, das stand freilich nicht am Beginn der künstlerischen Tätigkeiten Maria Spötls. Eigentlich habe der Zufall ihr Talent entdeckt, steht in einem Artikel über „Maria Spötl, eine Malerin deutscher Innigkeit“ der Zeitschrift „Stadt Gottes“ aus dem Jahr 1936 geschrieben. Dort wird über den Zufall wie folgt berichtet: Als Marias älterer Bruder als Propsteikurat in Innsbruck eine Wohnung bezog, schnitzte sie ihm „recht eindrucksvoll wirkendes“ Mobiliar. Diese „ersten wohlgelungenen Versuche mit dem Schnitzmesser lenkten manch kunstverständiges Auge auf das starke Mädchentalent“. Die Folge: Maria Spötl besuchte die Innsbrucker Kunstgewerbeschule, Abteilung Bildhauerei. Studien an der Münchner und dann an der Wiener Akademie der bildenden Künste folgen. Danach kehrt sie wieder in ihren Heimatort Schwaz zurück.

Maria Spötl blieb zunächst beim Messer und schnitzet vor allem Holzfiguren, Reliefs, Krippen sowie Kruzifixe. Die Motive sind klar geprägt von ihrem tiefen Glauben. Ihre Figuren(-auswahl) drehen sich meist um das Weihnachtsgeheimnis. Sehr bekannt wurden ihre Kruzifixe, die Krippen verkauften sich bis weit ins Ausland. Von den Krippen, Figuren und Kruzifixen sind heute allerdings kaum mehr welche erhalten.

Eckdaten  
Geboren: 15. September 1898 in Landeck/Tirol
Gestorben: 29. Juli 1953 in Schwaz | Tirol
Eltern: Josef und Maria Elisabeth Spötl
Geschwister:   Maria Paula (6.11.1891 – 14.09.1979 in Schwyz), seit 1920 Ordensfrau bei den Töchtern des Herzen Jesu im St. Josefs-Klösterli in Schwyz, später Oberin Herz-Jesu-Kloster Hall Josef (6.3.1893 – 16.8.1974 in Schwaz), Priester, Religionslehrer
Johann Thomas (18.12.1895 - 05.03.1901

 

Ausbildung  
Volksschule Landeck
Institut Marienberg der Dominikanerinnen in Bregenz
Staatsgewerbeschule Abteilung Bildhauerei, Innsbruck
Studium bei Professor Leo Bamberger, München
Akademie der bildenden Künste Wien, Meisterklasse bei Prof. Karl Sterrer

Die Hinwendung zum Pinsel. Ein Herzleiden schon in jungen Jahren machte Maria Spötl die doch sehr anstrengende Arbeit als Bildhauerin bzw. Plastikerin langsam unmöglich. Sie wechselte deshalb das künstlerische Fach und griff zu Pinsel und Farbe. Es entstehen unzählige Bilder auf Holz, Leinwand, Karton (Pastell). Eines ihrer zentralen Motive sind vor allem Kinder, sie malte eine Fülle an Porträts. Ihre Vorliebe besonders für die so bekannten „Spötl-Bildchen“ waren teils recht liebliche Darstellungen vom Kinde Jesu sowie kleiner Engel.

Beeindruckende Persönlichkeit. Maria Spötl lebte und arbeitete in Schwaz in Tirol. Dort wohnte sie mit ihrem älteren Bruder, dem Consiliarius Josef Spötl, im Haus am „Grafenbogen“, dem Palais Tannenberg-Enzenberg, direkt neben der großen Stadtpfarrkirche, in der von den Eltern übernommenen Wohnung, die auch ihr Atelier beherbergte.

„Sie lebte sehr zurückgezogen, war aber vom Auftreten her eine äußerst beeindruckende Persönlichkeit“, erinnert sich der Schwazer Fotograf Walter Graf (Jahrgang 1944), der als kleiner Bub Maria Spötl kennen gelernt hat. „Wenn sie durch die Franz-Josef-Straße in Schwaz ging, war sie unübersehbar mit ihrer Haarpracht und ihren wallenden Gewändern. Ein übergroßer Hut war geradezu ihr Markenzeichen.“

Bei von Josef Spötl gehaltenen Messen durfte Graf ministrieren und wurde manchmal danach mit in die Wohnung genommen, wo er Maria Spötl traf: „Sie war einfach liebenswert, freundlich und gütig. Und gerade Kinder meines Alters waren die glühendsten Verehrer dieser großen Dame.“

Einem größeren Publikum bekannt wurde die Malerin Maria Spötl durch das Marienbuch des Franziskanerpaters Odilo Altmann „Komm mit zu ihr!“ (Tyrolia Verlag, 1931). Für das weit verbreitete Werk hatte Spötl die schmückenden Bilder gemalt.

Verlage. Mit dem Ars Sacra Verlag in München, der Maria Spötls Bilder auf kleine Kärtchen druckte, begann die Reise der „Spötlbildchen“ rund um die Welt. Bei Ars Sacra erschien auch ein zweites, mit Darstellungen von Maria Spötl ausgestattetes Buch „Die Himmelstür“.

Nach dem Tod von Josef Müller, dem Gründer von Ars Sacra, im Jahre 1935, gründete die Malerin ihren eigenen Selbstverlag – den „Verlag Maria Spötl“ (VMS). Insgesamt wurden im Laufe der Zeit in diesem Verlag 340 Bildchen, 285 verschiedene Karten, vier Kommunionbilder sowie sechs Lesezeichen vertrieben. Gedruckt wurden die Karten und Bildchen von der Firma Jasper in Wien. Bis zu ihrem Tod im Jahre 1953 dürften weit über zwei Millionen Karten von Maria Spötl in die ganze Welt verschickt worden sein. Zu den Hauptabsatzgebieten zählten, neben Österreich, Deutschland, Italien, Holland, Belgien, England, Frankreich, Ungarn und Amerika.

Die einem großen Teil den Bildchen beigefügten Sprüche stammen überwiegend aus der Feder Maria Spötls selbst. Aber auch ihr Beichtvater, Pater Odilo Altmann, wie auch ihr geistlicher Bruder Josef verfassten Sprüche. Letzterer übersetzte zudem viele der Sprüche in die lateinische, englische, französische, italienische oder holländische Sprache.

Die Eltern Spötl – Josef und Maria Elisabeth – mit ihren Kindern Josef, Maria und Paula

Herkunft und Kindheit

Das Geburtshaus von Maria Spötl befindet sich in der Malserstraße im Tiroler Landeck. Am ehemaligen Gasthaus „Tiroler Weinstuben“ findet sich heute eine Gedenktafel. Die Mutter von Maria Spötl, die denselben Vornamen trug, war eine geborene Geiger, die das Haus und die Gastwirtschaft von ihrem Vater geerbt hatte. Die Geigers waren eine alteingesessene Schlosser- und Schmiedfamilie. Die von Jakob Geiger gegründete Eisenwarenhandlung „Corda Geiger“ ist noch heute bekannt.

Jakobs Bruder Anton Alois Geiger – der Großvater von Maria Spötl – war zunächst ebenfalls Schlosser, dann Handelsmann und verschaffte sich 1862 eine Wirtskonzession. Er hatte einiges an Grundbesitz in Landeck und dem Stanzertal erworben. Nach seinem Tod 1877 hinterließ er seinen beiden Kindern aus zweiter Ehe, Josef und Maria, das Haus in Landeck. Den restlichen Besitz erhielten die drei Kinder aus erster Ehe. 1887 verkaufte Josef Geiger seine Hälfte des Hauses in Landeck an seine Schwester Maria Elisabeth. Er selbst erwarb das Hotel Finstermünz.

Maria Elisabeth heiratete den aus Absam bei Innsbruck stammenden Josef Spötl. Dieser war als Postbeamter in Landeck tätig. Das Paar hatte insgesamt vier Kinder.  Als Josef Spötl in Schwaz eine Postmeisterstelle erhielt, übersiedelte die Familie in die Stadt im Tiroler Unterinntal. Das Haus in Landeck verkaufte Maria Elisabeth Spötl am 14. August 1907 um 34.000 Kronen an das Landecker Ehepaar Johann und Anna Müller. Im Jahre 1998 hat die Stadtgemeinde Landeck an dem Geburtshaus der Künstlerin Maria Spötl eine Gedenktafel anbringen lassen.

Maria malt ihren BruderIm Atelier „Sie war eine mutige, bescheidene und gütige Frau, niemand ging unbeschenkt von ihr“, schildert die Schwazerin Annelies Müller über Maria Spötl. Müller war im Jahr 1936 als Bürogehilfin in den VMS-Verlag eingetreten. Allein das Büro in der großen Altbauwohnung im Enzenberg-Palais war, so Müller, mit handgeschnitzten Möbeln bestückt. Der liebste Ort war der Künstlerin aber das Atelier - dort verbrachte sie die meiste Zeit ihres Lebens. Und wollte absolut nicht gestört werden.

Maria Spötl lebte sehr zurückgezogen, hatte nur einen kleinen Freundeskreis, dafür aber sehr viele Verehrer ihrer Kunst. Der Erfolg ihrer Arbeit stieg ihr nicht zu Kopf - im Gegenteil. Sie hatte für jeden ein offenes Ohr, eine offene Hand. Einen wohl großen Anteil ihrer Einkünfte gab sie selbst wieder für wohltätige Zwecke aus.

Reisen Der Tod ihrer eigenen Mutter - ebenfalls herzleidend - ging Maria Spötl sehr nahe. Sie hatte sich lange Zeit um diese gekümmert. Vor allem, nachdem der Vater gestorben war. Das war auch einer der Gründe, warum Maria Spötl sich einen anderen Herzenswunsch nicht erfüllen konnte - in einen Orden einzutreten. Zudem war ihre ältere Schwester Paula ja bereits Klosterfrau geworden, ihr Bruder Josef Priester.

Weite Reisen unternahm Maria Spötl nicht, ihr liebster Urlaubsort war Trins im Oberinntal. Einzig mit ihrem Bruder war sie zu einer Italienreise unterwegs, unter anderem in Rom wie auch bei Padre Pio in San Giovanni Rotonda bei Foggia. Dieser Besuch war offenbar der Anstoss für sie, sich dem Dritten Orden des heiligen Franziskus anzuschließen (für Laien, die sich an Spiritualität und Regeln des Ordens ausrichten) und Terziarin zu werden.

War Maria Spötls körperliche Konstitution durch ihr Herzleiden ohnehin schon angegriffen, fesselte sie eine (unheilbare) Krebserkrankung letztlich monatelang ans Bett. Selbst da schaffte sie es noch, wenigstens ab und zu ein Bild zu malen. Am 29. Juli 1953 erlag Maria Spötl ihrer Krankheit - am Höhepunkt ihres Schaffens, wie Zeitgenossen anmerkten.

Nach dem Tod Der Verlag Maria Spötl wurde nach ihrem Tod von Bruder Josef und der ehemaligen Mitarbeiterin (und besten Freundin), Schwester Maria Augusta Hitthaler, weitergeführt. Die Erlöse wurden, ganz im Sinne Maria Spötls, ebenfalls zu einem großen Teil für gute Zwecke verwendet. Die Druckrechte an den Bildern erhielt in weitere Folge der Verlag St. Gabriel in Mödling. Heute liegen alle Rechte wieder beim aktuellen Verlag in Tirol.

Maria Spötl (Mitte) mit Schwester Paula und Bruder Josef

Die drei Spötl-Geschwister in jungen Jahren

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